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Wussten Sie, dass jede 8. Frau in Österreich im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs erkrankt? Dieser für alle Frauen erschreckende Gedanke verliert etwas an seiner Bedrohlichkeit: Durch moderne Behandlungsverfahren ist Brustkrebs auch ohne die gefürchtete Entfernung der gesamten Brust heilbar, wenn er früh genug entdeckt wird. Eine zentrale Rolle in der Krebs-Früherkennung nimmt die Mammographie ein, neben der regelmäßigen, einmal im Monat von der Frau durchzuführenden Eigenuntersuchung und der jährlichen Untersuchung beim Haus- oder Frauenarzt. Nur durch diese sind wir in der Lage, kleine, noch nicht tastbare, auf Krebs verdächtige Veränderungen zu erkennen. Auch der Ultraschall kann die Mammographie nicht ersetzen, sondern im besten Fall ergänzen. Es gibt heute keine bessere Methode zur Früherkennung von Brustkrebs als die Mammographie.


Beispielbilder von Mammographien

Das Brustkrebsfrüherkennungsprogramm in Österreich (BKFP)

In Österreich wurden viele Jahre ohne übergeordnete Planung und Kontrolle und ohne systematische Einladung aller Frauen Mammographien zur Brustkrebsfrüherkennung durchgeführt. Mit dem Erfolg, dass wir eine vergleichsweise niedrige Sterblichkeit an Brustkrebs und einen hohen Anteil an brusterhaltenden Therapien hatten.

Um eine EU-Richtlinie zur Brustkrebs-Früherkennung umzusetzen, wurde nach jahrelangen Diskussionen Mitte 2014 mit dem staatlichen BKFP begonnen. Dieses System sieht strenge technische und fachliche Qualitätskontrollen vor, die wir prinzipiell begrüßten und auch erfüllen konnten.

Statt der Überweisung zur Mammographie-Vorsorgeuntersuchung durch Haus- oder Frauenarzt/ärztin soll nun eine Einladung durch das BKFP alle zwei Jahre zwischen dem 45. und 70. Lebensjahr erfolgen.

Die Einschränkung auf diesen Lebensabschnitt hat aber zu einer erheblichen Verunsicherung und z. T. auch Empörung der betroffenen Frauen und der Zuweiser geführt. Deshalb können nun Frauen ab 40 um eine vorzeitige Teilnahme am BKFP und ab 70 um eine Fortführung der Untersuchungen ansuchen. Dieses einmal nötige Ansuchen kann telefonisch unter 0800 500 181 (Mo-Fr 08:00 bis 18:00 Uhr, per E-Mail serviceline@frueh-erkennen.at oder online http://www.frueh-erkennen.at geschehen, wobei wir gerne behilflich sind.

Durch Stecken der e-Card ist ersichtlich, ob die betroffene Frau zur Mammographie-Vorsorgeuntersuchung freigegeben ist, was der Fall ist, wenn die letzte zwei Jahre zurückliegt. Eine Überweisung ist in diesem Fall nicht nötig.

Wichtig: Bei einseitigen Schmerzen, neu aufgetretenen Knoten oder Einziehungen, Entzündungen oder Sekretion aus den Brüsten ist weiterhin die Zuweisung zur Mammographie durch Haus- oder Frauenarzt/ärztin möglich und sollte keinesfalls unterlassen werden. Es handelt sich hierbei wegen der oben beschriebenen Beschwerden um eine sogenannte kurative Mammographie. Auch bei bestimmter familiärer Häufung von Brustkrebs ist die Zuweisung zur kurativen Mammographie möglich, wir bzw. Ihr(e) Frauenarzt/ärztin beraten Sie diesbezüglich gerne.

Wir begrüßen die vom BKFP vorgeschriebenen Qualitätsmaßnahmen, die wir bereits zuvor erfüllt haben. Es ist zu hoffen, dass das Ziel einer höheren Inanspruchnahme der Mammographie-Vorsorgeuntersuchung erreicht wird. Wir bemühen uns jedenfalls, im Rahmen des BKFP dazu beizutragen.

Ist eine Mammographie schmerzhaft?

Bei der Mammographie wird jede Brust zweimal zwischen zwei Platten zusammengedrückt, was nicht jede Frau auf die gleiche Weise empfindet. Je besser die Brust komprimiert wird, desto größer ist die Aussagekraft der Röntgenbilder und desto geringer die Strahlenbelastung. Unser Gerät ist mit einer automatischen Begrenzung des Druckes ausgestattet, sodass nur wenige Frauen dabei richtige Schmerzen verspüren. Sollten auch Sie berührungsempfindliche Brüste haben, sagen Sie das bitte der Assistentin, die dann den Druck besonders vorsichtig bis zur Schmerzgrenze steigern wird.

Wie stark ist die Strahlenbelastung?

Oft wird die Belastung mit Röntgenstrahlen als Argument gegen einen routinemäßigen Einsatz der Mammographie angeführt. Mit der heutigen Technik mit digitalen Detektoren konnte man die Strahlendosis für die Brustdrüse auf ein Zehntel der ursprünglichen Menge reduzieren. Die Strahlenbelastung für den Gesamtkörper (Ganzkörperdosis) bzw. für die Eierstöcke (= Gonadendosis) ist äußerst gering (ca. 1/10 der Strahlenbelastung eines Transatlantikfluges).

Jugendliches Brustgewebe ist deutlich sensibler auf Röntgenstrahlen, weshalb man bei Teenagern und jungen Frauen nur in Ausnahmefällen Mammographien anfertigt. Bei Frauen ab 40 liegt bei den vorgeschlagenen Intervallen keine Gefährdung durch die Mammographie selbst vor.

Gibt es Alternativen zur Mammographie?

Oft wird der Wunsch geäußert, statt der Mammographie nur eine Sonographie (= Ultraschall-Untersuchung) durchzuführen, weil diese nicht schmerzhaft und nicht strahlenbelastend ist. Wir machen bei jeder Mammographie routinemäßig eine Sonographie dazu, lehnen aber eine alleinige Abklärung der Brüste bei erwachsenen Frauen mittels Ultraschall ab, weil man damit viele gefährliche Veränderungen übersehen würde. Die Sonographie ist eine Zusatzuntersuchung, die wichtige Informationen liefert, kann aber derzeit die Mammographie nicht ersetzen.

Mit der Magnetresonanz kann man ebenfalls die Brüste untersuchen. Die Methode ist sehr aufwendig und eignet sich nur bei besonderer Fragestellung oder unklaren Befunden in der Mammographie und nicht als Routineverfahren.

Die Thermographie (Darstellung der Temperaturverteilung in den Brüsten) hat man wegen zu geringer Aussagekraft wieder gänzlich verlassen.

Der Tastbefund gehört zur kompletten Brustuntersuchung, ist aber allein genommen nicht sensibel genug. Dennoch sollte jede Frau regelmäßig ihre Brust selbst abtasten und bei Veränderung des Tastbefundes Haus- oder Frauenarzt/ärztin aufsuchen.

Sehr geehrte Patientin, wir hoffen, dass wir Ihnen durch diese Informationen manche Angst vor der Untersuchung genommen haben, und ermutigen Sie, in Ihrem eigenen Interesse regelmäßig Mammographien im Rahmen des BKFP anfertigen zu lassen.

Beispiele von Mamma-Sonographien und MR Mammographien

MR Mammographie Video
Vorbereitung zur Mammographie

Bei noch vorhandenen Monatsblutungen sollte die Mammographie in der ersten Zyklushälfte (bis max. 2 Wochen nach Beginn der Blutung) durchgeführt werden, weil dabei eventuell weniger Druckschmerzen auftreten, dies ist aber keine unbedingte Notwendigkeit.

Wie entsteht der Befund, wer bekommt ihn und wie ist er zu verstehen?

Die Beurteilung der Mammographie erfolgt bei uns schon seit vielen Jahren unabhängig durch zwei Fachärzte und wird nach einem standardisierten System durchgeführt.

Bei der Mammographie wird der Dichtegrade ACR 1-4 festgelegt. Bei Grad 3 und 4 muss obligatorisch eine Sonographie durchgeführt werden.


DIE BEFUNDUNG VON MAMMOGRAFIE ERFOLGT IM KONSENS ZWISCHEN
DEN BEIDEN BEFUNDEN IN FOLGENDEN STUFEN:

  • BIRADS 1: Völlig unauffällig
  • BIRADS 2: Sicher gutartige und somit unwichtiger Befund
  • BIRADS 3: Wahrscheinlich gutartig, aber kontrollbedürftig (nach 6 oder 12 Monaten)
  • BIRADS 4: Verdächtig auf Bösartigkeit
  • BIRADS 5: Bösartig
  • BIRADS 6: Es liegt bereits eine Gewebsprobe mit bösartigem Ergebnis vor
  • BIRADS 0: Zusatzaufnahme oder -untersuchung ist nötig

Die Sonographie und das Gesamtergebnis haben dieselben Stufen 1-6.
Im Allgemeinen wird das vorläufige Ergebnis durch den Erstbefunder der Patientin unmittelbar nach der Untersuchung mündlich mitgeteilt.

Der endgültige Befund folgt nach der Begutachtung durch den Zweitbefunder auf schriftlichem oder elektronischem Weg, bei kurativen Untersuchungen auch meist elektronisch an den Zuweiser. Bei Vorsorgeuntersuchungen im Rahmen des BKFP kann die Patientin eine(n) Vertrauensarzt/ärztin angeben, wohin der Befund übermittelt wird. Der BKFP-Befund enthält außerdem eine leicht verständliche zusammenfassende Mitteilung an die Teilnehmerin, in der auf eventuell nötige weitere Maßnahmen oder Kontrollen hingewiesen wird.

Warum gibt es keine Mammographie-Bilder mehr?

Seit 10 Jahren machen wir digitale Mammographien, deren Bilder in einem externen Langzeitarchiv gespeichert und abrufbar sind. Somit sind alte Vergleichsaufnahmen immer verfügbar. Die Bilder können bereits heute an alle Spitäler der Steiermark (für eventuelle Weiterbehandlung) und die meisten anderen radiologischen Einrichtungen (für Verlaufskontrollen) gesendet werden. In Zukunft werden die Bilder auch über das System ELGA abrufbar sein.

Der Ausdruck auf Röntgen- oder Laserfilme wird aus ökologischen und ökonomischen Gründen nicht mehr durchgeführt, der Ausdruck von Mammographien auf Papier ist weitgehend sinnlos, weil die Auflösung zu gering ist.
Die Ausgabe der Bilddaten auf CD-ROM ist kostenpflichtig.

Was passiert, wenn bei der Brust-Mammographie/Sonographie etwas gefunden wird?

Bei bösartigen Befunden (BIRADS 4 oder 5) muss die weitere Abklärung meist durch eine Gewebsprobe erfolgen. Wenn der verdächtige Bezirk im Sonogramm sichtbar ist, können wir ihn ultraschallgezielt punktieren. Dieser Eingriff erfolgt ambulant in örtlicher Betäubung und ist kaum schmerzhaft. Er ist leider noch immer keine Kassenleistung, aber wir führen ihn schon seit vielen Jahren für unsere Patientinnen ohne Honorar oder Kostenersatz durch, um die belastende Wartezeit bis zur endgültigen Diagnose zu verkürzen.

Das Aufklärungsblatt zur Stanzbiopsie können Sie bei folgendem Link ansehen:
Download Aufklärungsblatt Stanzbiopsie

Im Fall einer bösartigen Gewebsprobe machen wir dann alle nötigen radiologischen Untersuchungen (Lungen-Röntgen, Ultraschall des Oberbauches, evenuell MR-Mammographie), sodass die Patientin nach Rücksprache mit Haus- oder Frauenarzt/ärztin kurzfristig zur weiteren Behandlung ein Brustzentrum aufsuchen kann.

Bitte bedenken Sie, dass es heute gute Möglichkeiten der Behandlung und Heilung von Brustkrebs gibt und dass diese Diagnose – bei aller Dramatik – nicht mehr den Schrecken früherer Jahre hat.